Interaktive Vorschau auf den 17. Spieltag: SV Sandhausen – SpVgg Fürth

Auf zum Endspurt! Noch drei Spiele sind bis zur Winterpause zu bewältigen, die SpVgg steht auf dem zweiten Platz und am Sonntag spielen wir im letzten Spiel der Hinrunde gegen den SV Sandhausen.

Tja Sandhausen. Tatsächlich unser erstes Aufeinandertreffen in der 2. Bundesliga. Was ist das für ein Verein, was ist das für eine Stadt? Was macht die Mannschaft aus? Als ich mir am Montag unseren nächsten Gegner angeschaut habe wollte ich dringend mehr über diesen Verein erfahren. Wen könnte man da besser fragen als einen Fan aus Sandhausen? Zum Glück findet man auf Twitter immer nette Fans von anderen Vereinen, und im Falle des SVS war Stefan vom Sandhäuser Fanclub “Carpe Diem Sandhausen” (auf Twitter @CDSandhausen) so freundlich, mir ein paar Fragen zu seinem Verein zu beantworten.

DIe Homepage des CD Sandhausen ist unter www.carpediemsandhausen.de zu erreichen, neben Informationen zu dem Fanclub findet man dort auch Spielberichte und Bilder. Außerdem hat der Fanclub noch eine interessante Facebook-Page.

Doch nun zum Interview:


Frage: Hallo Stefan! Vielen Dank dass du dir Zeit nimmst mir vor dem ersten Aufeinandertreffen unser beiden Vereine in der Zweiten Bundesliga ein paar Fragen zu beantworten! Stell dich und deinen Fanclub doch mal kurz vor und erzähl uns: Wie wird man Fan vom SV Sandhausen?

Antwort: Hallo Jakob, mach‘ ich doch gerne.
Ich wurde Fan des SV Sandhausen, weil ich schon als kleiner Junge in den 80er Jahren regelmäßig Sonntag nachmittags bei den Heimspielen des SV Sandhausen war. Damals spielten wir noch in der Oberliga Baden-Württemberg und meine Idole waren z.B. Erwin Rupp, Gerd Dais, Stefan Emmerling oder Rainer Wild, der zu dieser Zeit noch mit uns auf dem Gymnasium in Sandhausen war. Schon damals war am Hardtwald immer was los. Es gab noch kein Sky oder jeden Tag Fußball im TV, da ist man sonntags auf den Sportplatz gegangen. Das fasziniert natürlich als Kind und so war der Bezug zum SVS schon früh da. Unseren Fanclub „Carpe Diem Sandhausen“ haben wir 2008 gegründet und wir sind aus einem Freundeskreis entstanden. Wir sind ein Familienfanclub, d.h. bei uns gehen auch die Frauen und Kinder mit ins Stadion und wir machen auch Aktivitäten außerhalb des Fußballs.

F: Ich habe gelesen dass Dietmar Hopp 2005 vorgeschlagen hat, Sandhausen mit der TSG 1899 Hoffenheim zu einem Verein zu fusionieren. Ihr habt euch entschieden den Weg in den Profi-Fußball alleine anzutreten (und das habt ihr ja auch erfolgreich durchgezogen, Kompliment!) War das aus deiner Sicht die richtige Entscheidung? Kannst du uns noch ein bisschen etwas über deinen Verein erzählen – wie sind die Strukturen bei euch, wie groß ist eure Fanbasis?

A: Ja das ist richtig. Hopp kam damals mit Hoffenheim in der Regionalliga nicht richtig weiter und wollte dann größer investieren und die gesamte Region mit einbeziehen. Der SV Sandhausen sollte als „Traditionsverein im Amateurfußball“ da eine große Rolle mitspielen. Es gab dann auch Gespräche aber der SVS hat sich gegen die Fusion entschieden. Wenn man sich den Weg von Sandhausen seitdem anschaut, dann war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Wir spielen mittlerweile in der 2. Liga und das mit sehr begrenzten finanziellen Mitteln.

Der SV Sandhausen ist ein kleiner Verein in einer kleinen Gemeinde (14.500 Einwohner). Wir haben über Jahre in den höchsten Amateurklassen gespielt, in den 80er Jahren mehrmals an den Aufstiegsrunden zur 2. Liga teilgenommen und wir waren 2 x Deutscher Amateurmeister. Der größte Erfolg ist aber natürlich der Aufstieg in die 2. Liga im Jahr 2012. Durch die DFB/DFL Vorgaben mussten wir in den letzten Jahres vieles anpassen und wir sind nach wie vor noch dabei die Strukturen im Verein professioneller aufzustellen, was in der 2. Liga natürlich eine Notwendigkeit ist. Die Strukturen müssen noch weiter wachsen, aber langsam, denn wir müssen das Bodenständige beibehalte. Das macht den Verein nämlich aus und wird uns auch weiterhelfen wenn es mal wieder sportlich bergab gehen sollte.

Die Fanbasis des SVS wächst auch, aber ebenfalls langsam. Wir liegen mitten im Einzugsgebiet von Hoffenheim, Waldhof und Karlsruhe. Frankfurt, Stuttgart und Kaiserslautern sind auch nicht weit entfernt. Und dann gibt’s noch Handball und Eishockey in der Region. Da kommen nun nicht auf einmal 10000 Zuschauer nur weil wir 2. Liga spielen. Es gibt viele ältere Fans, die schon seit Jahren oder Jahrzehnten zum SVS gehen (so wie wir), aber mittlerweile gibt es auch wieder viele junge Leute, die inzwischen für unsere Verhältnisse richtig gute Stimmung machen.

F: Blicken wir doch noch mal kurz ans Ende der letzten Saison zurück. Eigentlich wart Ihr ja schon abgestiegen, dann kam auf einmal die Meldung dass der MSV Duisburg wohl keine Lizenz mehr für die 2. Liga erhalten wird. Bis dann alle Verfahren abgeschlossen und der Lizenzentzug feststand hat es ja einige Zeit gedauert. Ich kann mir vorstellen dass die Wochen der Ungewissheit als Fan ziemlich nervenaufreibend gewesen sein müssen, oder?

A: Ja, das war eine spannende Zeit. Wir hatten uns mit dem Abstieg eigentlich schon abgefunden und der Blick war nach vorne gerichtet auf den Aufbau einer neuen, jungen Mannschaft in der 3. Liga. Dann kam alles anders. Für die finanziellen Probleme der Duisburger, welche zum Lizenzentzug geführt haben, können wir nichts und vor allem die Duisburger Fans können einem da auch leidtun, denn die können da auch nichts für. Wir sind nun Nutznießer des Lizenzentzugs, was bei manchen Fans gar nichts gut ankommt. Die sehen natürlich lieber einen Traditionsverein wie den MSV in der 2. Liga als uns. So hören wir dann von gegnerischen Fans immer wieder „Ohne Duisburg wärt ihr gar nicht hier“. Für uns ist das zweite Jahr in der 2. Liga eine große Chance und wir haben einiges aus unseren Fehlern der Vergangenheit gelernt. Aktuell läuft es ja viel besser als letzte Runde.

F: Kommen wir zum Sportlichen: Ihr steht gerade auf dem 8. Tabellenplatz, von den letzten sechs Spiele habt Ihr dreimal gewonnen und nur einmal verloren. Dazu kommt dass Ihr es im Pokal bis ins Achtelfinale geschafft habt. (Danke übrigens das Ihr unseren Nachbarn rausgeschmissen habt). Wenn ihr so weitermacht ist der Klassenerhalt mehr als nur ein realistisches Ziel. Im Moment dürftet Ihr also richtig zufrieden sein, oder?

A: Ich bin aktuell sehr zufrieden, auch wenn wir am Mittwoch in Frankfurt aus dem Pokal geflogen sind. Es läuft diese Runde vieles besser als letzte Saison aber die 2. Liga ist dieses Jahr so ausgeglichen, da ist man noch lange nicht durch. Der Klassenerhalt ist und bleibt das einzige Saisonziel. Wenn wir nach dem letzten Spieltag auf Platz 15 stehen ist das für uns ein Riesenerfolg. Ich habe das Vertrauen in die Mannschaft und denke wir können und werden das schaffen.

F: Schauen wir doch mal auf euren Kader. Matthias Zimmermann hat ja letzte Saison bei uns gespielt und der Name Timo Achenbach sagt mir auch noch etwas. Danny Blum ist mir durch seine Haarfarbe aufgefallen, Manuel Riemann ist mir seit dieser Pokalrunde auch ein Begriff, aber wenn ich den Rest von eurem Kader so durchgehe stoße ich auf lauter mir unbekannte Namen. Kannst du mir eure Mannschaft ein bisschen vorstellen? Auf wen gilt es für Frank Kramer am Sonntag besonders zu achten? Wer ist Publikumsliebling? Habt Ihr Talente in euren Reihen die sich schon für höhere Aufgaben empfehlen können?

A: Was den SV Sandhausen diese Saison ausmacht ist ein sehr ausgeglichener Kader. Wir haben auf (fast) allen Positionen mehrere Leute die dort spielen können und dies auch auf ähnlichem Niveau. So gibt es jetzt keinen Top-Spieler auf den alles zugeschnitten ist, sondern das Kollektiv zeichnet uns aus und macht uns stark. Wer mir in dieser Saison bisher am besten gefällt ist unser Sechser Dennis Linsmayer. Der fällt oft gar nicht so auf, arbeitet aber verdammt viel im Spiel, fängt im Mittelfeld viele Bälle ab und bringt kluge Pässe nach vorne. Publikumsliebling ist immer noch unser Kapitän Frank Löning, der nach einer Verletzung diese Saison aber noch nicht so oft zum Einsatz kam. Ja und achtgeben müsst ihr am Sonntag dann besonders auf Riemann, Schauerte, Linsmayer, Thiede, Blum, Tüting, Adler, Löning und auf die andern natürlich auch ;-)

F: Ihr habt bis jetzt in dieser Saison am zweit-wenigsten Tore geschossen, dafür aber auch am zweit-wenigsten Gegentreffer bekommen. Das spricht für ein starke Defensive. Was denkst du, wir werdet ihr gegen das Kleeblatt zu Werke gehen? Eher wie bisher defensiv-abwartend oder habt ihr durch das gute Spiel gegen die Frankfurter Eintracht soviel Selbstvertrauen geholt dass Ihr vor heimischen Publikum gleich offensiv an die Sache ran geht?

A: Wir werden auch am Sonntag wieder aus einer kontrollierten Defensive agieren. Die Niederlage in Frankfurt ist zwar schade aber die sollte nicht an unserem Selbstvertrauen kratzen, denn wir haben uns in Frankfurt sehr gut verkauft. Unsere gute Defensive ist bisher der Grundstein für die 23 Punkte und an dieser Grundausrichtung wird unser Trainer auch nicht rütteln. Klar wünscht man sich manchmal mehr Offensivgeist, vor allem bei Heimspielen, allerdings ist Fürth nun ja auch kein Gegner den wir einfach so überrennen werden sondern klarer Favorit in dem Spiel. Macht ihr nur mal das Spiel, wir behalten dafür dann die Punkte.

F: Okay dann schauen wir doch mal wie das am Sonntag läuft. Ich hoffe wir sehen ein spannendes und faires Spiel. Für den Rest der Saison wünsche ich euch schon mal alles Gute, ich würde mich freuen wenn Ihr der 2. Liga erhalten bleibt. Zum Abschluss noch der obligatorische Tipp: Ich hoffe du wirst mir verzeihen wenn ich auf ein 0:2 zu Gunsten der SpVgg tippe, wir wollen ja oben dabeibleiben. Wie schaut dein Tipp aus?

A: In der aktuellen Runde sind wir zu Hause im Sandhäuser Hardtwaldstadion noch ungeschlagen und das soll auch am Sonntag so bleiben. Fürth ist aktuell nicht mehr so in Form wie zu Beginn der Saison, aber noch stark genug um ein Wörtchen im Aufstiegskampf mitzureden. Daher wäre ich mit einen Unentschieden eigentlich schon zufrieden. Ich tippe aber auf ein 1:0 für unseren SVS.
Allen Fürther Fans wünsche ich eine gute Anreise und eine schöne Zeit in Sandhausen. Vielleicht können wir beim Rückspiel nächstes Jahr im Mai dann gemeinsam feiern. Ihr den Aufstieg und wir den Klassenerhalt.

Eine gemeinsame Feier im Ronhof, da wird dir sicher kein Fürther widersprechen. Stefan, ich bedanke mich sehr für das Interview!

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